Bauernhof trifft Reiturlaub

Mit dem Blauen Gockel in die Reitferien

So vielseitig ist Urlaub auf dem Reiterhof in Bayern

Für viele Menschen gehört Reiten zur Kindheit wie die Berge nach Bayern. Lebhafte Erinnerungen aus Kindertagen an das erste Mal im Sattel begleiten sie noch weit bis in das Erwachsenenalter hinein. So lange die Verpflichtungen des Alltags den Wunsch nach einem Wiedersehen mit grasenden Pferden auf der Koppel auch verdrängen - die Sehnsucht bleibt. Nach einem unbeschwerten Urlaub auf dem Reiterhof, wie damals, als auch die größten Sorgen einfach auf dem Rücken der Pferde davon galoppierten. Wer sich endlich wieder eine Auszeit gönnen will und erstklassigen Reitunterricht bei herzlichen Gastgebern in Bayern sucht, packt seine Liebsten ein und fährt auf einen der über 1.400 Ferienhöfe vom Blauen Gockel. Mit der Nähe zur Natur und vielen Pferden, dem authentischen Leben auf dem Land und der Betreuung von Reitexperten, kann sich jeder seinen ganz persönlichen Traum vom Reiturlaub erfüllen.

Mehr als nur Reiten: Vom ersten Moment zur lebenslangen Bindung

Wie prägend die erste Begegnung mit einem Pferd sein kann, erzählt Maria Jakob vom Ferienbauernhof Jakob im Bayerischen Wald. „Die Erkenntnis, dass in jedem Pferd ein einzigartiger Charakter steckt, legt den Grundstein für die Pferd-Mensch-Beziehung“, sagt sie. Genau wie ihre Schwester Anja, ist auch sie ausgebildete Reitpädagogin und Trainerin. Beide haben sich der ganzheitlichen Philosophie des „Natural Horsemanship“ verschrieben und unterrichten am Rohrhof in Anlehnung an die altkalifornische Reitweise, bei der sich das Training nach den mentalen und körperlichen Fähigkeiten des Pferdes richtet. Schon als Kinder entdeckten sie ihre Liebe zum Reiten und sind heute als „Pferdeflüsterinnen“ bei ihren Gästen bekannt.

In ihren „Kinder-Pferde-Camps“ entsteht auf dem Fundament der Bodenarbeit die natürliche Beziehung zum Pferd. Ist das gegenseitige Vertrauen aufgebaut, erlernen die Kinder beim Reiten im Einklang mit ihrem „Partner“ auf ihr Gefühl zu hören. „Wenn Gleichgewicht, Gefühl und Zeitgefühl stimmen, entsteht eine einzigartige Kommunikation zwischen Pferd und Reiter.“

Wichtig ist den Schwestern auch, dass es nicht nur um Trainingserfolge geht. Auf dem Ferienbauernhof Jakob steht immer der Spaß ohne Leistungsdruck im Vordergrund. Deshalb gibt es bei ihnen auch erlebnisreiche Ponytage mit Schatzsuche, Kutschfahrt oder Ostereiersuche. Dabei lernen Kinder spielerisch den verantwortungsbewussten Umgang mit dem Tier und verinnerlichen Werte wie Vertrauen und Empathie. Beim Reiten spüren sie den gemeinsamen Rhythmus und gewinnen ein positives Körpergefühl. Und viele haben im Reitunterricht einfach Spaß daran, ihrer Kreativität in den akrobatischen Übungen beim Voltigieren freien Lauf zu lassen

Reitferien mit therapeutischer Wirkung

Auch Sabine Dier vom Rosenhof Bieswang weiß, wie wichtig es ist, dass Pferd und Mensch dieselbe Sprache sprechen. Auf ihrem Reiterhof im Naturpark Altmühltal verfolgt sie deshalb den Ansatz des heilpädagogischen Reitens, das auf dem Verständnis der Pferdesprache und einer guten Beziehung zum Pferd aufbaut. Sowohl beim klassischen, als auch beim therapeutischen Reiten begleitet sie Kinder auf ihrem Weg, die Impulse der speziell ausgebildeten Pferde wahrzunehmen. In kleinen Schritten lernen sie das Pferd „zu lesen“ und achtsamer mit der eigenen Körpersprache umzugehen. „Gerade für förderbedürftige Kinder sind heilpädagogisches Reiten und sensorische Integration ein Weg, Defizite auszugleichen und Stärken zu entwickeln“, erzählt die ausgebildete Reitpädagogin. „Einige Kinder tun sich leichter, eine Bindung zu einem Tier aufzubauen, als zu anderen Menschen. Die Pferde vermitteln ihnen Geborgenheit.“

Mit viel Einfühlungsvermögen und Expertise erstellt sie einen individuellen Förderplan im Austausch mit den Eltern - auch als Kompaktkurs für die Ferien. Nach der ersten Annäherung blühen die Kinder schnell auf und erreichen ganz nebenbei die individuellen therapeutischen Ziele, werden zusehends mutiger und verbessern ihre motorischen Fähigkeiten. Möchten Kinder über die Therapie hinaus am klassischen Reitunterricht teilnehmen, führen die Reitpädagogen vom Rosenhof sie auch mit den anderen Kindern zusammen. „Mit diesem integrativen Ansatz haben wir wundervolle Erfahrungen gemacht“, erzählt Sabine Dier. „Die Reitschüler und -schülerinnen unterstützen sich gegenseitig und erfahren echte Wertschätzung. Das wirkt sich sehr positiv auf ihr Selbstwertgefühl aus und bleibt ihnen noch lange erhalten.“

Nach der ersten Reiterfahrung kann sich die Leidenschaft ganz unterschiedlich entwickeln, weiß Sebastian Meyer vom Reesberghof. Er hat sich Anfang 2020 den Traum vom eigenen Ferienhof erfüllt und gibt seitdem seine Liebe zu Pferden und dem Reitsport an Kinder, Jugendliche und Erwachsene weiter, die zum Urlaub ins schöne Unterfranken kommen. „Für manche wird Reiten fester Bestandteil des Lebens, bei anderen gerät das Hobby mit dem Älterwerden zunehmend in Vergessenheit.“ Gerade dann will er im Familienurlaub dazu ermutigen, die alte Liebe wieder aufleben zu lassen. Meist kommt das vertraute Gefühl zurück, sobald man im Sattel sitzt, erzählt Meyer. Das gilt übrigens auch für Erwachsene.

Reiturlaub für Erwachsene

Dazu hat Markus Brasch vom Reiterhof Obere Mühle im Spessart eine klare Meinung. Oft wird er gefragt, ob Reiturlaub nur etwas für Kinder sei. „Ganz im Gegenteil!“, findet er. Auf seinem Reiterhof im Spessart bietet er seit vielen Jahren mit großem Erfolg auch Reiturlaub für Erwachsene an. „Gerade erwachsene Reiter wünschen sich Einzelstunden für den Einstieg oder Wiedereinstieg in den Reitsport. Sie sind dankbar, wenn sie nicht in einer Gruppe hinterher reiten müssen.“ Er weiß, dass das viele abschreckt, die als Kind im Sattel saßen oder sich den langersehnten Traum vom sicheren Reiten erfüllen möchten. Der erfahrene Reitlehrer setzt daher gezielt auf Einzelunterricht und erzählt, dass seine Reitschüler begeistert sind, wenn sie in der Reitstunde die volle Aufmerksamkeit bekommen. So lassen sich zuvor fest eingefahrene Fehler schnell korrigieren und der Einstieg in den Pferdesport wird zu einem wundervollen Erlebnis. Jede Anweisung auf dem Pferd sollte sich an den individuellen Eigenschaften von Pferd und Reiter orientieren. „Es bedarf höchster Motivation des Reitlehrers und ein Pferd, das bereit ist, auf kleinste Einwirkungen des Reiters zu reagieren. Auch psychologische Aspekte spielen dabei eine bedeutende Rolle. Angst und Nervosität verfliegen in kürzester Zeit, denn die Freude bei Unterricht und die tolle Atmosphäre auf unserem familienfreundlichen Reiterhof schaffen beste Voraussetzungen für schöne Reitferien im Spessart.“

Reiterhof und Wellnessoase unter einem Dach

Doch auch wenn sich die Erfolge beim Reitunterricht sehen lassen können, brauchen Pferd und Reiter zwischendurch Pausen und Erholung. Und die sollte im Urlaub nicht zu kurz kommen! „Auf seinen Leistungen kann man sich auch mal ausruhen“, finden Sabine und Hubert Schratt vom Ferienhaus Kanzelthal. Deshalb finden Urlauber hier im Allgäu nicht nur einen Reiterhof mit Bergpanorama, sondern auch alles, was müde Reiter wieder munter macht. „Am meisten wird unser Angebot aber von erholungssuchenden Eltern genutzt, während ihre Kinder im Reitunterricht beschäftigt sind“, fügen sie augenzwinkernd hinzu. Denn im Wellnessbereich wird massiert und sauniert, bis die Seele losgelöst vom Alltagsstress wieder lebhaft vor sich hin baumelt. „Die Kinder haben Spaß beim Reiten und die Eltern kommen zur Ruhe.“ Und davon profitiert am Ende die ganze Familie.

Dieser Meinung kann sich Johann Mayer vom Seehof in Petting nur anschließen. Sein Reiterhof liegt nur wenige Meter vom Südufer des Waginger Sees entfernt und hat erst im vergangenen Jahr das Wellnessportfolio um ein Kneippbecken unter freiem Himmel erweitert. Neben Whirlpool-Badewannen mit Sauna oder Infrarotstrahler schmücken die Ferienwohnungen auch Einzelstücke aus eigenem Vollholz, die vom Schreiner im Ort angefertigt wurden. Für die Extraportion Entspannung sorgen Alpensalzmassage, Kräuterstempelmassage oder Ayurvedamassage von der Wellnesstherapeutin am Hof. So wird der Kopf wieder richtig frei für den Reitunterricht.

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