Sechs Obsthöfe in Bayern

Der Apfel fällt nicht weit vom Hof

Urlaub und Naschen auf dem Obsthof

Schlehe, Quitte oder Birne? Während die einen Obstsorten am besten als Pflückobst zu genießen sind oder fruchtig-süß aus dem Kuchen duften, machen sich andere besonders gut in der Flasche als kräftiger Brand oder Likör. Eines ist allerdings unbestreitbar: Mit dem intensiven Geschmack eines eigenhändig gepflückten heimischen Apfels kann Obst aus dem Supermarkt nicht mithalten. Im Urlaub auf dem Obsthof sitzen Urlauber direkt an der Quelle und lernen darüber hinaus viel über die heimische Landwirtschaft und Artenschutz.

Für Familie Gramminger vom Sailerhof am Tachinger See im Chiemgau zwei untrennbare Bereiche. „Für nützliche Insekten und seltene Pflanzen sind Streuobstwiesen der ideale Lebensraum“, sagt Hanna Gramminger. Außerdem sei Obstanbau das lebhafte Beispiel für Nachhaltigkeit, denn „wer heute einen Baum pflanzt, wird erst später davon profitieren.“ Nur zehn Minuten vom Tachinger See im Chiemgau entfernt widmen sich die Grammingers mit viel Liebe ihren Streuobstwiesen, dem Wohlfühlgarten und ihrer Brennerei und bieten ihren Gästen Führungen und Schnapsproben direkt am Hof.

Eine in diesem Bewusstsein geführte Landwirtschaft überdauert meist Generationen und bringt auch durch großen familiären Zusammenhalt Produkte hervor, in denen viel Herzblut steckt. Und während die Landwirte im Herbst ihre Ernte einfahren, dürfen sich Urlauber auf dem Bauernhof oder Landhof im Gegenzug für eine helfende Hand oft an den erntefrischen Früchten bedienen oder ganz nach Gusto hofeigene Produkte verkosten. Das ist nicht nur lecker, sondern auch gesund. Schließlich dürfen es bekanntlich bis zu fünf Portionen Obst am Tag sein, um den Nährstoffbedarf zu decken. Doch Obst ist nicht gleich Obst - so haben auch die Gastgeber vom Blauen Gockel ganz eigene Vorlieben und Schwerpunkte beim Obstanbau:

Hier gibt´s den Hopfen ohne Malz

Was woanders nur die Zugabe zum Bierbrauen ist, kommt am GenussHof Pingold ganz groß raus. Wer Urlaub auf dem Obst- und Hopfenhof in der südlichen Fränkischen Schweiz macht erfährt, dass sich mit Hopfen weit mehr als nur der Bierdurst stillen lässt. Familie Pingold bewirtschaftet den Hof in siebter Generation mit angeschlossener Brennerei, Ackerbau und Forstwirtschaft und zeigt, was noch alles in der erstaunlichen Pflanze steckt. Während der Hopfenernte im September dürfen Feriengäste selbst mit anpacken und anschließend zusehen, wie Susanne Pingold die Ernte zu Hopfenlikör, -sirup, -senf, -chutney, -aufstrich und sogar zu süßen Pralinen verarbeitet.

Die Produkte aus der eigenen Herstellung kommen anschließend zur ganzjährigen Verkostung in den Hofladen. Zu ihnen gesellen sich außerdem edle Destillate aus den hofeigenen Süßkirschen und anderen Obstsorten aus dem eigenen Garten. An den kulinarischen Tagen darf in der Erlebnis-Gastronomie des Hofs beim 3-Gänge-Menü nach Herzenslust geschlemmt werden. Der neue Seminarraum „Alte Werkstatt“ sowie drei Wohnmobil-Stellplätze inmitten des Obstgartens runden das Angebot der Familie Pingold ab.

Für Naturfreunde und angehende Selbstversorger 

Selbstversorgung liegt voll im Trend! Der eigene Anbau von Obst und Gemüse lockt viele mit dem Traum vom autarken und ganzheitlichen Leben. Die Arbeit in und mit der Natur bewahrt viel altes Wissen, das über Generationen weitergegeben wurde, als das bäuerliche Leben noch Alltag für die meisten Menschen war. Wer nicht mehr auf die Erfahrung von früheren Generationen zurückgreifen kann, findet auf dem Selbstversorger-Lernhof Lebensfeld Jaksch die Antworten auf drängende Fragen zu biologischem Obst- und Gemüseanbau, natürliche Saatgutvermehrung für den Eigenbedarf, Lagerung, Fermentierung und vielem mehr.

In Seminaren geben Monika und Hubert Jaksch ihr Wissen an Besucher und Feriengäste weiter - für die erste praktische Umsetzung lohnt sich natürlich ein Aufenthalt in der gemütlichen lärchenholzverschalten Ferienwohnung. Nachdem sich echte Lernerfolge jedoch schwer in einer Woche erzielen lassen, können angehende Selbstversorger nach dem ersten Schnuppern im Urlaub anschließend am Ganzjahresprojekt teilnehmen, bei dem sie im Austausch mit den Profis und Gleichgesinnten ihr eigenes Gemüse pflanzen und ernten.

Das Geheimnis des Destillierens

Früchte ernten, waschen, sortieren, quetschen und dann ab ins Fass - so entsteht die Maische für Brände, Liköre und Geister in der hofeigenen Brennerei am Peterhof. Seit 30 Jahren wird am idyllischen Dreiseithof mit Obstbau, Schaubrennerei und Erlebnisgastronomie im Herzen der fränkischen Schweiz fleißig geerntet und gebrannt.

Während Feriengäste sich im Frühjahr auf den Obstplantagen von der Schönheit der Kirschblüte verzaubern lassen, werden im Sommer und Herbst die Ärmel hochgekrempelt: Zur Erntesaison der Kirschen ab Juni und des restlichen Obstes ab September freut sich Familie Reichold über tatkräftige Unterstützung und belohnt ihre Helfer mit erntefrischen Süßkirschen, Birnen und Zwetschgen. Bis Weihnachten bekommt das Obst in der Brennerei den Schwips. Feine Destillate sind das Ergebnis jahrelanger Erfahrung und tragen geballtes Wissen über die Kunst des Destillierens in sich, welches die Brennmeisterin und Edelbrandsommelière Anni Reichold großzügig mit ihren Gästen teilt - sei es bei Führungen, Verkostungen, Brennseminaren oder direkt beim gemeinsamen Einmaischen der Früchte.

Stilechter Urlaub im Obsthof-Chalet

Eine große Maisonettewohnung mit viel Holz und einer atemberaubende Aussicht ins Grüne und auf die Berge: Im Landurlaub bei Familie Milz in der Ferienwohnung Wolfgangsberg bleiben keine Wünsche offen. Nicht nur die Unterkunft, sondern auch der nebenerwerbliche Obstanbau mit hofeigener Brennerei unterliegt in der Qualität den höchsten Ansprüchen von Martin und Katrin Milz.

Zwischen romantischen Wäldern und dem Fluss Leiblach prägen Kirschbäume, Marillenbäume und selbstverständlich Apfel- und Birnenbäume auf ihren Streuobstwiesen das Erscheinungsbild der kleinen Landwirtschaft. Auf Anfrage können Gäste gerne die Hinterland-Distillery besichtigen und an einem Gin-Tasting teilnehmen. Bei Gästen besonders beliebt: Der Hinterland-Gin aus eigener Produktion, der sich längst weit über die Grenzen des Allgäuer Hinterlands hinaus einen Namen gemacht hat.

Im Vogelparadies mit See- und Bergblick

So manch einer gerät bei diesem Panorama ins Schwärmen: Sanft ziehen sich alte Obstbäume über grüne Hügel vor den Ufern des Bodensees, dahinter erheben sich imposant die gezuckerten Bergspitzen der Alpen. Täglich begleitet vom artenreichen Zwitschern der Vögel bewirtschaftet Familie Schielin auf ihrem Obsthof ganze zwei Hektar Fläche mit Wildobstbäumen, einem Paulownia-Wäldchen und vielen Maroni- und Walnussbäumen auf 425 Metern Seehöhe.

Tatkräftige Unterstützung gibt es dabei von Islandpferdedame Lisa und Pony Mona. Besonders zur Blüte der Elsbeere Ende Mai lauschen Urlauber dem sanften Summen der Bienen und genießen das lebhafte Treiben der Natur. Im Herbst dürfen sie sich an den Weinreben am Hof bedienen. Wenn die Ernte eingebracht ist, bereiten sie die frischen Maroni im eigenen Ofen zu.

Silke Schielin experimentiert gerne im kleinen Stil in der eigenen Brennerei und freut sich über den Austausch mit interessierten Gästen. Gleich nebenan bieten außerdem die Hofläden der Nachbarn frische und regionale Produkte aller Art. Damit sitzen Urlauber direkt an der Quelle zu hausgemachten Spezialitäten und feinen Edelbränden. So lässt es sich auf den gemütlichen Balkonen und Terrassen gut aushalten, während die Sonne den Abendhimmel tiefrot einfärbt und langsam hinter See und Bergen verschwindet.